Sonderausstellungen

Ausstellung „Flächenland, Fortlaufend“  - Fotografien von Stephanie Kiwitt im Schloss Köthen (bis 14. April 2024)

Fotoausstellung „Bürgerhaus am Markt“ im Veranstaltungszentrum (geöffnet während Veranstaltungen)

Förderer

Kontakt

Christoph Erdmann
Tel: 03496 700 99 274
Email: historisches-museum@schlosskoethen.de

Flächenland (Sandersleben), 2020-22 © Stephanie Kiwitt und VG Bild-Kunst, Bonn

Im Schloss Köthen ist derzeit und noch bis 14. April die Ausstellung „Flächenland, Fortlaufend“ mit Arbeiten der Fotografin Stephanie Kiwitt zu sehen. Zur Schau, die von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Kreissparkasse Anhalt-Bitterfeld gefördert wurde, ist im Verlag Spector Books der Katalog „Flächenland 2020-22“ erschienen, der im Museum zum Vorzugspreis erhältlich ist.

Stephanie Kiwitt lehrt an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle als Professorin für Kommunikationsdesign/ Fotografie. In ihren Fotoserien „Flächenland“ und „Fortlaufend“ zeigt die 1972 in Bonn geborene und seit 2020 in Halle lebende Künstlerin Veränderungen von Orten und Menschen, die sie auf Exkursionen durch Sachsen-Anhalt dokumentiert hat. Dabei nimmt sie in farbigen Aufnahmen einerseits jene Lebensräume in den Blick, die einem überwiegenden Teil der hiesigen Bevölkerung als Heimat gelten. So wird die Kultivierung wie die Zersiedlung einer Region sichtbar, deren Beschreibung als „Flächenland“ nicht nur wertneutral gelesen werden kann, sondern im öffentlichen Gebrauch des Wortes auch die Abwesenheit von urbanen Strukturen umfasst. Bei den Erkundungen dieser Landschaften lässt sich Stephanie Kiwitt von Ortsnamen, literarischen Bildern oder regionalen Nachrichten leiten, die Anordnung der en passant entstandenen Fotografien folgt der Chronologie der Reisen und den dabei gewonnenen Eindrücken. Als Gegenstück zu diesen Bestandsaufnahmen werden die schwarz-weißen Bilder der Serie „Fortlaufend“ gezeigt, die Veränderungen im Detail festhalten: Überformungen von gealterter oder auch neuerer Bausubstanz, abgeputztes Mauerwerk oder neues Dekor, geöffnete oder verschlossene Fensternischen und Türlaibungen. Im Unterschied zu den beiläufigen „Flächenland“-Impressionen sind diese Fotografien mit Stativ und Mittelformatkamera bei gleichbleibenden Lichtverhältnissen aufgenommen worden, ihre Dimensionen verstärken die Abstraktion der Ausschnitte.  

Begleitend zur im Dezember im Schloss Köthen eröffneten Sonderausstellung „Flächenland, Fortlaufend“ mit Fotografien von Stephanie Kiwitt wird am 20. Januar um 12 Uhr zu einer Sonderführung durch die Schau mit der Künstlerin eingeladen. Nach der Sonderführung wird es im Februar noch weitere Veranstaltungen im Begleitprogramm geben. So ist am 22. Februar die szenische Lesung „S. Anders leben. Eine Handlung in Gesprächen“ von Stephanie Kiwitt mit Bewohner*innen aus Sandersleben, Wiederstedt, Hettstedt und Halle zu erleben. Eine Woche später, am 29. Februar, wird ins Museum zur Gesprächsrunde mit Stephanie Kiwitt, Jonathan Everts (Professor für Humangeographie, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) und Daniel Herrmann (Leiter des Medienkunstvereins Werkleitz Gesellschaft e.V.). Für Jugendliche ist am 9. März ein Fotografieworkshop mit Stephanie Kiwitt und Nele Schulze (Masterstudierende Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle) geplant.

 

20. Januar, 12 Uhr, Führung durch die Ausstellung mit Stephanie Kiwitt

22. Februar, 18 Uhr, Szenische Lesung „S. Anders leben“

29. Februar, 18 Uhr, Gesprächsrunde in der Ausstellung

9. März, 11 Uhr, Fotografieworkshop für Jugendliche

Film zur Fotoausstellung

Der zweite Teil der Fotoausstellung „Bürgerhaus am Markt – 114 Jahre im Wandel“ in den Foyers im Veranstaltungszentrum Schloss Köthen thematisiert die wechselvolle Geschichte dieser Köthener Kulturstätte in fotografischen Eindrücken und kurzen Texten.

Im ersten Teil der Ausstellung im Herbst 2019 ging es um die Anfänge des Hauses als privates Konzerthaus und den Wandel in den nächsten Jahrzehnten, zunächst zur Stadthalle bis hin zur Entstehung des Stadttheaters in Köthen mit einem eigenen Ensemble. Der erste Ausstellungsteil endete mit der Auflösung des Ensembles im Jahr 1960. Die nun im Veranstaltungszentrum gezeigte Fotoschau schließt in jenen Jahren an. Der Name „Klubhaus der Werktätigen“ - so hieß das Haus in der Halleschen Straße 80 nun -  blieb allerdings ebenso wie die späteren Bezeichnungen „Kreiskulturhaus“ oder „Bürgerhaus am Markt“ überlagert von einer anderen Bezeichnung: Theater.

Gezeigt werden Momentaufnahmen des Köthener Kulturlebens über mehrere Jahrzehnte, vom „Klub zu zweit“ über große Gastspielvorstellungen bis hin zur „Weihnachtsrevue“ des Tanzstudios „Step by Step“ nach der Wende. Erwähnung findet in der Ausstellung zudem das reiche Kulturleben abseits der Bühne, das im Haus einen Platz hatte, wie beispielsweise die Arbeit des „Malzirkels FK am Theater Köthen“ und der Keramik- oder Textilzirkel. Selbst Stadtfeste wurden von hier aus organisiert. Am Ende des thematischen roten Fadens steht dann auch das Ende des Hauses. Der Abriss des Gebäudes im Jahr 2009 ist Anlass für Erinnerungen an einige Jahrzehnte kulturellen Lebens in der Stadt.

Die Ausstellung wird im Veranstaltungszentrum gezeigt, der Zugang ist bei laufendem Veranstaltungsbetrieb möglich.

Schloss Köthen Süd- und Westflügel

Die neue Sonderausstellung „Hans-Dieter Schwarz – Malerei und Grafik“ im Historischen Museum im Schloss Köthen ist bis zum 27. August zu sehen. Sie würdigt den in Köthen geborenen Künstler, der im August 100 Jahre alt geworden wäre. 

Hans-Dieter Schwarz wurde am 27. August 1923 in damals noch als Cöthen in Anhalt bezeichneten Köthen geboren. Nach einer schweren Tuberkulose-Erkrankung in der Kindheit litt er unter gesundheitlichen Beeinträchtigungen, war für den Kriegsdienst untauglich und konnte so 1940 ein Studium an der Staatlichen Akademie für Graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig aufnehmen. Während dieser Zeit entstandene Werke wurden bereits in Galerien in Leipzig, München und Prag gezeigt. Bombenangriffe auf Leipzig im Dezember 1943 führen allerdings zum nahezu vollständigen Verlust der frühen Werke. Ab 1944 war Schwarz Meisterschüler und heiratete 1946 seine Kommilitonin Veronika Fritsche, die unter ihrem Mädchennamen erfolgreich als Grafikerin und Illustratorin arbeitete. 

Hans-Dieter Schwarz arbeitete nach seinem Studium als Grafiker und freier Portraitmaler. Er zeichnete u.a. für die Satire-Magazine „Eulenspiegel“ und „Frischer Wind“ und arbeitete bei der Zeitung „Sportecho“ mit Heinz Florian Oertel zusammen. Hatten Wohnungsnot und Arbeit in den ersten Jahren dazu geführt, dass das Paar zeitweise getrennt in Berlin, Leipzig und Köthen lebte, zog die mittlerweile durch zwei Töchter auf vier Köpfe angewachsene Familie 1953 nach Köthen. Eine dritte Tochter folgte 1958. In Köthen hatte Schwarz seit 1948 ein Atelier im Schloss und leitete einen Malzirkel für interessierte Bürger. Mit Freunden und Künstlerkollegen traf man sich im „Historischen Eckfenster“ und beteiligte sich gemeinsam an Ausstellungen. Neben seinen in der Tageszeitung „Freiheit“ veröffentlichten Zeichnungen fertigte Schwarz politische und kritische Arbeiten an, die er in seinem Atelier aufbewahrte. Denunziation führte zu einer Anklage und Verurteilung zu zwei Jahren Gefängnis. Diese Haft hinterließ einen gebrochenen Menschen, der sich in seine Kunst zurückzog. Ungebrochen blieb hingegen das künstlerische Schaffen von Hans-Dieter Schwarz, das auch Kunst am Bau umfasste, wie etwa in Köthen die Mosaik-Säulen des Cafés „Troika“ oder ein Portrait des Gewandhausdirigenten Franz Konwitschny. Das Ende der SED-Herrschaft und den Mauerfall erlebte Hans-Dieter Schwarz, bevor er am 25. Januar 1991 mit nur 67 Jahren starb.   

Unterstützt von Bettina Elze, der Tochter von Hans-Dieter Schwarz, demonstriert die Schau in den Sonderausstellungsräumen im Schloss Köthen mit zahlreichen Gemälden und Grafiken das Können und die große Vielfalt des Künstlers. 

Blick in die Sonderausstellung

„Buddelgötze – Ein Archäologe in Anhalt“ hieß die Sonderausstellung des Jahres 2022 im Schloss Köthen. Die Prähistorische Sammlung in Köthen ist untrennbar mit Walther Götze (1879-1952) verbunden, der mit seiner Privatsammlung den Grundstein für die Dauerausstellung im Ferdinandsbau legte. Der 70. Todestag des Prähistorikers war Anlass, Götzes Lebenswerk mit einer Sonderausstellung zu würdigen. Gezeigt wurden archäologische Funde aus vielen Teilen des ehemaligen Landes Anhalt.

Im Leben Walther Götzes verbinden sich gleichermaßen Begeisterung und Engagement für die Archäologie und die Bereitschaft, sich in den 30er Jahren mit dem Nationalsozialismus zu arrangieren.  Schon seit 1922 befand sich der Autodidakt als Kreiskonservator im Staatsdienst, 1933 ernannte ihn die Anhaltische Staatsregierung zum Professor. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten ergaben sich für ihn berufliche Chancen, die er nutzte. 1937 wurde er Vertrauensmann zum Schutze der Bodendenkmale in Anhalt, nun war er der Archäologe des Landes Anhalt und stand auch der Stiftung Landesmuseum für Früh-und Vorgeschichte Anhalt vor. Doch auch nach seiner beruflichen Laufbahn beauftrage man ihn 1947 damit, die kriegsbedingt beeinträchtigte Sammlung in Köthen neu zu ordnen und zu dokumentieren. Seine handschriftlichen Eintragungen enden im November 1951, ein knappes Jahr vor seinem Tod. 

Bevor Götze einer der bedeutenden Prähistoriker Mitteldeutschlands wurde, arbeitete er nach einem Studium der Musik am Konservatorium in Leipzig als zweiter, später als erster Kapellmeister in Essen, Schweidnitz, Dortmund und Kiel. Neben verschiedenen Streichinstrumenten spielte er Orgel und Cembalo und galt als Virtuose am Flügel.